Stellungnahme des Jugendausschusses St. Franziskus Frankfurt zum Aufhängen der Regenbogenflaggen in der Pfarrei

08.07.2021

Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebe Gemeindemitglieder,

vor Kurzem wurden auf den Geländen der Kirchen unserer Pfarrei St. Franziskus Regenbogenfahnen gehisst.

Im Folgenden werden wir darauf eingehen, aus welchen Gründen wir diesen Schritt unternommen haben. Basierend auf der Stellungnahme unseres Bischofs Dr. Georg Bätzing, haben wir uns entschlossen, in Solidarität mit der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare Regenbogenflaggen vor unseren Kirchen zu hissen.

Am Montag, 15. März, 2021 wurde in Rom die Note „Responsum ad dubium“ der Kongregation für die Glaubenslehre über die Segnung von Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts veröffentlicht. Dazu erklärt Bischof Dr. Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz:
„Die heute Mittag (15. März 2021) veröffentlichte Note der Kongregation für die Glaubenslehre widmet sich der Frage, ob die Kirche die Vollmacht habe, Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts zu segnen. Diese Frage wird verneint. Die Glaubenskongregation gibt dabei den Stand der kirchlichen Lehre wieder, wie er sich in mehreren römischen Dokumenten spiegelt.
In Deutschland und in anderen Teilen der Weltkirche gibt es seit längerem Diskussionen, in welcher Weise diese Lehre und Lehrentwicklung allgemein mit tragfähigen Argumenten vorangebracht werden kann – auf der Basis grundlegender Wahrheiten des Glaubens und der Moral, der fortschreitenden theologischen Reflexion und ebenso in Offenheit für neuere Ergebnisse der Humanwissenschaften und der Lebenssituationen heutiger Menschen. Auf Fragen dieser Art gibt es keine einfachen Antworten.
Der Synodale Weg, den die Deutschen Bischofskonferenz mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken auf den Weg gebracht hat, ist deshalb bestrebt, gerade das Thema gelingender Beziehungen in einer umfassenden Weise zu diskutieren, die auch die Notwendigkeit und die Grenzen kirchlicher Lehrentwicklung bedenkt. Die von der Glaubenskongregation heute vorgebrachten Gesichtspunkte müssen und werden selbstverständlich in diese Gespräche Eingang finden.“ [¹]
Im Interview vom 24.03.2021, erklärt Bischof Dr. Bätzing folgendes:
[Interviewer:] Das Nein der Glaubenskongregation hat im Bistum Limburg, bundesweit und auch in anderen Ländern Unverständnis bei Gläubigen, bei Seelsorgerinnen und Seelsorgern und auch bei Bischöfen ausgelöst. Können Sie dieses Unverständnis verstehen?
[Bischof Dr. Georg Bätzing:] Ja! Ich kann das Unverständnis verstehen und teile es ausdrücklich. Das Dokument aus Rom vom 15. März gibt den altbekannten Stand der Lehre wieder. Es wird aber in der Breite nicht mit einer Akzeptanz und einer entsprechenden Befolgung rechnen können. Ein Dokument, das sich in seiner Argumentation so eklatant einem Erkenntnisfortschritt theologischer und humanwissenschaftlicher Art verschließt, wird dazu führen, dass die pastorale Praxis darüber hinweggehen wird.
Wir brauchen eine Neubewertung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und eine Weiterentwicklung der kirchlichen Sexualmoral. Die Ehe zwischen Mann und Frau ist für uns als Christen ein sehr hohes Gut. Sie besitzt als Sakrament der Kirche eine unvergleichliche Bedeutung und einzigartige Würde. Es geht nicht darum, an der Schöpfungsordnung zu rütteln. Niemand will die Ehe von Mann und Frau und ihre Fruchtbarkeit relativieren. Diese Hochschätzung im römischen Schreiben ist wichtig. Aber um den besonderen Wert der Ehe herauszustellen, müssen nicht andere Formen von partnerschaftlichen Lebensgemeinschaften abgewertet werden, die es ja offensichtlich auch gibt. [²]
Diese Position teilen wir auch, und wollen dies durch das Hissen der Regenbogenflaggen kenntlich machen.
Leider wurde bereits eine Woche nach Hissen der Flaggen die Flagge in St. Josef Eschersheim zerschnitten, und nach erneutem Aufhängen entwendet. Eine Woche darauf wurde in die Flagge vor St. Christophorus Preungesheim ein Loch hineingebrannt. Diese gewaltbereiten Taten sind nicht nur aufgrund der benötigten radikalen Einstellung des Täters erschreckend, sondern auch enttäuschend im christlichen Zusammenleben. Wir möchten keinen Konflikt innerhalb unserer Pfarrei schüren, sondern einen Dialog über Glaubensansätze und theologische Fragen anregen. Dennoch fühlten wir uns gezwungen, mit Absprache des PGR-Vorstandes und unserem Pfarrer Pater Anto eine Strafanzeige bei der Polizei einzureichen. Solch eine Sachbeschädigung darf nicht toleriert werden. Wir bitten daher alle, die eventuell mitbekamen, wer für diese mutwillige Zerstörung verantwortlich war, sich im Pfarrbüro zu melden.
Diese Tat hat uns schwer getroffen. Unser Interesse liegt im Allgemeinen an der Akzeptanz und Toleranz innerhalb unserer Gemeinde. Wir bitten daher um Einsicht aller Parteien, die sich in diesem Thema mit Engagement und Überzeugung einsetzen.
Aus diesem Grunde wollen wir – den synodalen Weg widerspiegelnd - im Laufe des Jahres direkt mit den Gemeindemitgliedern vor Ort ins Gespräch gehen, um Raum für Diskussionen zu schaffen und den persönlichen Austausch zu fördern. Unser Bischof geht auch auf diesen Punkt in seinem Interview ein:
[Interviewer:] Nicht wenige sehen den Synodalen Weg, den die katholische Kirche in Deutschland geht, durch die römischen Einwände in Gefahr. Sie haben den Synodalen Weg immer verteidigt und gefördert. Ist der Synodale Weg in Gefahr?
[Bischof Dr. Georg Bätzing:] Es ist offensichtlich so, dass sich das Schreiben der Glaubenskongregation auch auf die Diskussion des Synodalen Weges und die Arbeit im Forum „Leben in gelingenden Beziehungen“ bezieht. Natürlich sind allen, die in diese Diskussionen eingebunden sind, der Stand der Lehre und die Aussagen des Katechismus bekannt. Ich bin jedoch zutiefst davon überzeugt, dass die katholische Sexuallehre einer Weiterentwicklung im Licht der seit Jahrzehnten vorliegenden humanwissenschaftlichen und theologischen Erkenntnis bedarf. Veränderung gehörte schon immer zum Wesen der Kirche. Wer sie verweigert, der gefährdet die Einheit der Kirche. [³]
Konkrete Hinweise auf die kommenden Projekte werden noch folgen.
Bis dahin sollen die Flaggen als Zeichen hängen, das uns als Pfarrei dieses Thema am Herzen liegt und es nicht von uns vergessen wurde.
Mit freundlichen Grüßen,
Der Jugendausschuss und der Pfarrgemeinderat St. Franziskus Frankfurt

Quellen:
[¹]: Bischof Dr. Georg Bätzing, Vorsitzender Deutsche Bischofskommission (15. März 2021). Von Website Bistum Limburg: https://bistumlimburg.de/beitrag/keine-einfachen-antworten/ abgerufen
[²], [³]: Stephan Schnelle, Pressesprecher (24. März 2021). Von Website Bistum Limburg: https://bistumlimburg.de/beitrag/viele-werden-durch-kirche-verletzt/ abgerufen