Die wunderbare Brotvermehrung

An diesem Sonntag hören wir in den Gottesdiensten die sehr bekannte Geschichte der „wunderbaren Brotvermehrung“ aus dem Matthäusevangelium.
Mit fünf Broten und zwei Fischen macht Jesus 5000 Menschen satt. „Gebt ihr ihnen zu essen“, sagt er zu den Jüngern, die die Menschen eigentlich wegschicken wollten.

In dem Buch: „Die wunderbare Zeitvermehrung – Variationen zum Evangelium“ von Lothar Zenetti – erschienen 1979 – klingt die Geschichte so:

Als es Abend wird, treten die Jünger zu Jesus und sagen: „Herr, die Zeit ist vorgerückt, es ist spät. Entlasse die Menge. Sie haben keine Zeit und wir auch nicht!“
Und Jesus antwortet den Jüngern, sie sollen den Menschen etwas von ihrer Zeit geben. Worauf die Jünger meinen, sie hätten selbst keine Zeit und das wenige, was sie hätten, reiche nicht für so viele.
Doch dann findet sich, dass einer von ihnen noch fünf Termine frei hat, mehr nicht, dazu zwei Viertelstunden. Und Jesus nimmt die fünf Termine und dazu die beiden Viertelstunden; er blickt zum Himmel und segnet sie. Die kostbare Zeit wird ausgeteilt und siehe, sie reicht für alle. Am Ende, so heißt es, füllen sie noch 12 Tage mit dem, was übrig war an Zeit.

Eine nette Variation des Evangeliums, heute noch genauso aktuell, wie damals zu Pfr. Zenettis Zeiten.
Eine andere, auch interessante Umdeutung habe ich gefunden, die sich die „wunderbare Christenvermehrung“ nennt. Dort schreibt Msgr. Dr. Josef Hernoga (Priester der Diözese Eichstätt) von den Jüngern, die die Leute fortschicken wollen, da sie keinen Glauben haben. Und Jesus sagt ihnen, sie sollen doch ihren Glauben mit ihnen teilen. Die Jünger antworten: „Herr, wir haben ja selbst kaum Glauben und wie können wir Kleingläubigen andere für Gott begeistern, - wie so viele überzeugen?“
In dieser Geschichte finden sich dann fünf tiefgläubige Frauen und zwei mutige gottesfürchtige Männer. Jesus versammelt sie um sich herum, so dass sie seine Nähe spüren; er blickt zum Himmel, spricht das Dankgebet und sendet sie zu ihren Familien, in die Schulen, Betriebe und auf die Straßen. Dr. Hernoga schreibt: „Und siehe da: Diese wenigen haben eine wunderbare Christenvermehrung bewirkt. Sie erzählten das Evangelium mit Worten und Taten und haben den gottfernen Menschen das Ziel des Lebens gezeigt“.
Wir wissen alle: Ganz so einfach ist es nicht. Und doch, fehlen nicht auch uns oft der Glaube und vor allem die tiefe Nähe zu Jesus?
Wie auch immer; entscheidend ist für mich in beiden Variationen auch der Auftrag Jesu: „Gebt ihr ihnen…“ Was brauchen die Menschen heute am Nötigsten? Was sollen/müssen wir ihnen geben?

Gisela Pohl

Gisela Pohl

Gemeindereferentin