Buen Camino!

44 große und kleine Jakobspilger der Pfarrei St.Franziskus/Frankfurt auf dem Weg nach Santiago de Compostela vom 1.-8.Oktober 2018

Eine Pfarreiwallfahrt nach Santiago de Compostela für Groß und Klein war die Idee, deren Planung vor gut eineinhalb Jahren begann. Der Gedanke, zusammen auf dem Weg zu sein - mit Familien, Paaren und Einzelpersonen aus unterschiedlichen Kirchorten unserer Groß-Pfarrei St.Franziskus, dies lag uns am Herzen. Das will gut vorbereitet und auch gut begleitet sein. Pfarrer P.Anto Batinic und GR Barbara Kaltwasser-Flora waren vom Pastoralteam in der Leitung mit dabei, mit großer Unterstützung unseres guten Geistes mit spanischer Muttersprache Frau Tere Carcia Volkmann.

Bei der Vorbereitung und während der Pilgerreise stand uns ein spanisches Reiseunternehmen zur Seite. Ana, die deutschsprachige Reiseleitung, entlastete täglich bei den organisatorisch notwendigen Fragen. So durfte sich jeder und jede mit viel Gelassenheit auf „den Camino machen“ in dem Wissen darum, dass am Ende des Tages ein gutes Abendessen und ein Bett auf ihn/sie wartet.

6 Tagesetappen waren zu er-gehen: von Sarria bis Santiago de Compostela legten wir insgesamt 113 km zurück.

Zu Beginn bekam jeder Pilger seinen Pass, in dem er eifrig Stempel an den Stationen des Weges sammeln konnte. Zwei Einträge sollten es pro Tag sein. Viele haben mehr als zwei gesammelt und abends wurde verglichen, wer welche Stempel hatte und wer vielleicht sogar den ein oder anderen wunderschönen Stempel vorzeigen konnte (da gab es sogar einen roten Siegel-Stempel!)

Viele unserer Pilger hatten zuvor die Sorge, dass dieser doch recht stark frequentierte Weg der erhofften Erfahrung eines „persönlichen Jakobsweges“ im Wege stehen würde. Doch wir durften uns da jeden Tag eines Besseren belehren lassen und waren allesamt sehr überrascht:

Die Gemeinschaft in der Gruppe, in der jeder und jede aufeinander achtete, dass keiner zum Schluss alleine ging, das Schauen aufeinander, die Freude auch Kinder in der Gruppe zu haben, die vorbildmäßig Schritt für Schritt ihren Camino erwanderten, war spürbar. Fast ständig begegneten wir Pilger aus aller Welt und begrüßten uns gegenseitig mit dem Jakobsweg-Pilgergruß: „Buen camino!“.  Amerikaner, Mexikaner, Spanier, Belgier, Kanadier, Franzosen, Deutsche, Österreicher…. Es war das Gefühl einer großen Gemeinschaft von Menschen, die dasselbe Ziel hatten.

Jeden Morgen starteten wir nach einem kurzen Segen und suchten anschließend einen guten Ort für den morgendlichen Impuls, der von verschiedenen SeelsorgerInnen unserer Gruppe abwechselnd gehalten wurde. Dann wanderte jeder und jede in seinem/ihren Rhythmus/Tempo. Am Ende des Weges – am Etappenziel - freuten wir uns, wenn wir uns abends wieder in großer Runde trafen und gemeinschaftlich miteinander zu Abend aßen.

Einer der Höhepunkte unseres „Camino“ war sicherlich unser gemeinsamer Gottesdienst in Melide – die Hälfte des Weges war erreicht! In der Messe, die wir am Gedenktag unseres Namenspatrons, dem Hl.Franziskus, in der Kirche eines ehemaligen Franziskanerkonvents feiern durften, wurde deutlich, wie intensiv dieser Jakobsweg für alle ist. Eine Freude machte es besonders, die Kinder zu hören und zu sehen, wie sie den Erwachsenen von ihren Erfahrungen berichteten. Es ging um „Schlüsselerlebnis-Erfahrungen“, um „Herausforderungs-Erfahrungen“ und um „Gemeinschafts-Erfahrungen“, die wir alle in diesem Gottesdienst mit einfließen ließen. Es war ein sehr bewegender Moment.

Unsere Reiseleitung Ana und auch unser Busfahrer Severo, die unseren Weg begleiteten, wuchsen mit in unsere Gemeinschaft. Sie waren ein Segen – gemeinsam mit dem Bus, der uns alle ca. 8 km ein Zwischenziel bot –mit Obst und Wasser versorgte und notfalls auch verletzte Pilger zum nächsten Etappenziel mitnehmen konnte.

So näherten wir uns Schritt für Schritt dem Ziel unserer Reise.

Kurz vor Santiago de Compostela, auf dem Monte do Gozo – mit Blick hinunter auf die Kathedrale, die sich am Horizont abzeichnete – kamen wir noch einmal zusammen und gingen dann gemeinsam den Berg hinab -  quer durch die Stadt bis zur Kathedrale des Santiago. Hier  konnte jeder und jede die Statue des Hl.Jakobus berühren, sich die Kathedrale anschauen und am frühen Abend unsere Pilgerreise mit der „Pilger-Messe“ beenden, in der P.Anto konzelebrierte und drei unserer Jugendlichen als Ministrant*innen mit dabei sein durften.

Am letzten Tag gab es noch einen Schreck. Einer unserer Pilger wurde beim Einladen seines Koffers in den Bus von einem Auto angefahren. Nach einem kurzen Aufenthalt im Krankenhaus konnte er doch schon am selben Abend wieder mit uns am Tisch sitzen. Es war wie ein Wunder.

Alle waren sich einig: der Jakobsweg wird noch lange nachwirken. Es war ein Geschenk, ihn gehen zu können und auch, ihn mit den Menschen unterschiedlicher Generationen unserer Pfarrei-Gruppe gehen zu können.

So hieß es dann tags darauf Abschied zu nehmen. 16 Pilger flogen zurück nach Frankfurt. Der Rest der Gruppe hatte sich im Vorfeld dazu entschlossen noch 4 Tage anzuhängen. So genoss eine kleine Familie die Zeit in Santiago de Compostela, während 26 Pilger zu gemeinsamen Tagen an den Atlantik aufbrachen. Danke allen für die gemeinsame Zeit auf dem Camino! Geschenkte Zeit!

Text: Barbara Kaltwasser-Flora
Fotos: Daniel Messner

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