Johannisfeuer bezeichnet einen Brauchtums- und Festbrauch, der in der Nacht zum 24. Juni, dem Hochfest der Geburt Johannes des Täufers, begangen wird. Das entzündete Feuer gilt als Zeichen des Lichts, der Freude und des Lebens und wird im christlichen Verständnis mit dem Zeugnis Johannes des Täufers für Christus verbunden.
Historisch gehen Johannisfeuer auf vorchristliche Sonnenwendbräuche zurück, die zur Zeit der Sommersonnenwende gefeiert wurden. Mit der Christianisierung wurden diese Bräuche in den kirchlichen Festkalender integriert und auf Johannes den Täufer bezogen, dessen Geburtsfest nahe an der Sommersonnenwende liegt. In der Volksfrömmigkeit der römisch-katholische Kirche blieb das Johannisfeuer bis heute als Ausdruck von Gemeinschaft, Segen und Hoffnung lebendig.
Karfreitag bezeichnet den Freitag vor Ostern, an dem die Kirche des Leidens und Sterbens Jesu Christi am Kreuz gedenkt. Er ist ein Tag der Stille, des Gebets und der Buße und gehört zum Österlichen Triduum. Liturgisch wird am Karfreitag keine Eucharistie gefeiert; im Mittelpunkt stehen die Lesung der Passion, die Großen Fürbitten und die Verehrung des Kreuzes.
Historisch gehört der Karfreitag zu den ältesten Gedenktagen des Christentums. Bereits in der frühen Kirche war er als Tag des strengen Fastens und des Kreuzgedenkens bekannt. Seine heutige liturgische Gestalt entwickelte sich im Laufe des Mittelalters und wurde in der Liturgiereform des 20. Jahrhunderts erneuert. In der Liturgie der römisch-katholische Kirche gilt der Karfreitag als gebotener Fast- und Abstinenztag.
Karsamstag bezeichnet den Tag zwischen Karfreitag und Ostersonntag. Er ist geprägt von Stille und Erwartung und erinnert an die Grabesruhe Jesu. Liturgisch ist der Karsamstag ein aliturgischer Tag; es werden keine Sakramente gefeiert. Erst mit der Feier der Osternacht beginnt die österliche Festfreude.
Historisch war der Karsamstag in der frühen Kirche eng mit der Taufvorbereitung verbunden; die Nacht von Samstag auf Sonntag galt als bevorzugter Zeitpunkt für die Taufe der Katechumenen. Im Mittelalter entwickelte sich die Praxis der Osternachtfeier teilweise in die Morgenstunden des Samstags, wurde jedoch im 20. Jahrhundert liturgisch erneuert und wieder in die Nacht verlegt. In der Liturgie der römisch-katholische Kirche ist der Karsamstag bis heute ein Tag des stillen Ausharrens im Blick auf die Auferstehung.
Kreuzverhüllung bezeichnet den liturgischen Brauch, Kreuze in Kirchen während der Fastenzeit, besonders ab dem fünften Fastensonntag, zu verhüllen. Die Verhüllung verdeckt das Kreuzzeichen zeitweise und lenkt den Blick auf das Leiden Christi sowie auf die Erwartung seiner Offenbarung an Ostern.
Historisch ist der Brauch seit dem Mittelalter belegt. Ursprünglich wurden nicht nur Kreuze, sondern auch Bilder und Altäre verhängt, um den festlichen Glanz der Kirche zu mindern. Die Kreuzverhüllung entwickelte sich zu einem eindrücklichen Zeichen der Buß- und Passionszeit. In der Liturgie der römisch-katholische Kirche werden die Kreuze in der Regel am Karfreitag enthüllt, oft im Rahmen der Kreuzverehrung.
Kreuzwegandacht bezeichnet eine andächtige Gebetsform, in der der Leidensweg Jesu Christi von der Verurteilung bis zur Grablegung betrachtet wird. Sie besteht traditionell aus 14 Stationen, die das Geschehen der Passion vergegenwärtigen und zur persönlichen Meditation und zum Gebet einladen. Die Kreuzwegandacht wird besonders in der Fastenzeit gepflegt.
Historisch entwickelte sich der Kreuzweg aus den Pilgerwegen in Jerusalem, bei denen Gläubige den Weg Jesu nach Golgota nachgingen. Seit dem Spätmittelalter verbreitete sich diese Praxis in Europa, gefördert vor allem durch die Franziskaner. Die feste Form mit 14 Stationen setzte sich im 18. Jahrhundert durch. In der Volksfrömmigkeit der römisch-katholische Kirche gehört die Kreuzwegandacht bis heute zu den zentralen Andachtsformen der Passionszeit.
Liturgische Farben bezeichnen die Farben der liturgischen Gewänder und Paramente, die im Kirchenjahr verwendet werden. Sie bringen den Charakter der jeweiligen Fest- oder Zeitabschnitte symbolisch zum Ausdruck und unterstützen das liturgische Erleben durch visuelle Zeichen.
Zu den gebräuchlichen Farben gehören vor allem:
- Weiß – Festfreude, Licht, Auferstehung (z. B. Weihnachten, Ostern)
- Rot – Heiliger Geist, Blut, Zeugnis (z. B. Pfingsten, Märtyrerfeste)
- Grün – Hoffnung, Wachstum (Zeit im Jahreskreis)
- Violett – Umkehr, Buße, Erwartung (Advent, Fastenzeit)
- Rosa – vorweggenommene Freude (Gaudete, Laetare)
- Schwarz – Trauer und Tod (selten, z. B. Allerseelen)
Historisch entwickelten sich liturgische Farben schrittweise im Laufe des Mittelalters. Eine verbindlichere Ordnung entstand im westlichen Christentum erst ab dem 12. Jahrhundert. Die heutige Regelung wurde durch die Liturgiereform des 20. Jahrhunderts vereinheitlicht. In der Liturgie der römisch-katholische Kirche sind die liturgischen Farben im Messbuch und in den liturgischen Ordnungen festgelegt.